C. Bertelsmann btb
Åsa Larsson

Über die Romane

Åsa Larssons erster Roman Sonnensturm wurde in Schweden als bestes Krimidebüt gekürt und verdrängte auf Anhieb Liza Marklund von den Spitzenplätzen der Bestsellerlisten. Auch in Deutschland traf das Buch auf breite Begeisterung. Für die Süddeutsche Zeitung steht fest: »Natürlich wird Åsa Larsson auch in Deutschland der Sprung auf die Bestsellerlisten gelingen.«

Den schwedischen Krimipreis erhielt Åsa 2004 für ihr zweites Buch Weiße Nacht, das sich in kurzer Zeit über 200.000 Mal verkaufte. Ihre Bücher erscheinen in Finnland, Norwegen, Holland, Italien, Dänemark, England und Deutschland. Åsa plant insgesamt sechs Bücher mit ihrer Heldin Rebecka Martinsson. Bis dein Zorn sich legt ist der vierte Band.

Die Anfänge des Schreibens

Åsa Larsson arbeitete als Steueranwältin. Der Beruf war zeit- und kraftaufwendig; vor lauter Überstunden kam sie, wie sie sagte, kaum einmal dazu, ein Buch zu lesen. Doch trotz des beruflichen Erfolgs kam Åsa ihr Leben manchmal 'ziemlich leer' vor. Als ihre Tochter noch ein Baby war, besuchte sie - in einer plötzlichen Anwandlung, etwas »Kreatives« tun zu wollen – einen Kurs für Kreatives Schreiben. So begann ihre Karriere als Autorin: »Es ist eher über mich gekommen, als dass es ein bewusster Entschluss war«, urteilt sie rückblickend. Heute arbeitet Åsa als Full-Time-Schriftstellerin. »Ja, es ist Wahnsinn, was das Leben für Sprünge machen kann«, sagt sie lachend.

Die nordische Kulisse

Für Åsa Larsson stand von vornherein fest, dass die Umgebung um Kiruna die perfekte, weil nahezu mystische Kulisse für ihre Krimis abgibt: 300 Kilometer nördlich des Polarkreises gelegen, sind die Winter klirrend kalt, und es ist 24 Stunden am Tag dunkel, nur das Polarlicht ist nachts zu sehen. Im Sommer ist es Tag und Nacht hell, die Mücken summen permanent, dazu die weite, menschenleere Umgebung aus Wäldern, Bergen, Flüssen und Seen. Und es gibt noch mehr Kontraste in Kiruna: die raue Bergbau-Industrie einerseits und die hochtechnologische moderne Weltraumforschung auf der anderen Seite.

Die Einwohner von Kiruna

Auch wenn Åsa Larssons Krimis etwas anderes vermuten lassen, sind die Einwohner von Kiruna nicht besonders religiös, eher das Gegenteil. Sie gehören zur Arbeiterklasse, sind politisch links orientiert. Åsa würde sie als ungehobelt, direkt und aufrichtig gastfreundlich bezeichnen. Bei ihnen gilt: »What you see is what you get«. Und sie sind sich darüber im Klaren, dass sie in Schweden als Außenseiter gelten. In der Musik aus dieser Region, aus Kiruna und Tornedalen, schwingt immer ein wenig russische Traurigkeit mit, und ein bisschen davon steckt in jedem Bergmann.

Die Hauptfigur Rebecka Martinsson

Im Mittelpunkt von Åsa Larssons Krimis steht die Anwältin Rebecka Martinsson, die in Südschweden lebt und arbeitet, aber in Kiruna aufgewachsen ist. Sie ist eine starke, schlagfertige Persönlichkeit, die weiß, was sie will und in ihrem Leben schon einige Gegenschläge einstecken musste. Zu ihrer Heimatstadt hat sie ein äußerst zwiespältiges Verhältnis: Lange Jahre wollte sie – aus Gründen, die der Leser erst nach und nach erfahren wird – mit Kiruna nichts mehr zu tun haben. Im ersten Buch hat Åsa bereits einen kleinen Teil von Rebeckas Lebensgeschichte ans Licht gebracht, aber auch bewusst viele Fragen offen gelassen. Was ist zum Beispiel mit Rebeckas Eltern geschehen? Was erlebte Rebecka in ihrer Kindheit in Kiruna? Warum ist sie aus ihrem Heimatort weggegangen? Ein paar dieser Geheimnisse werden im Roman Weiße Nacht gelüftet – aber längst noch nicht alle.

Åsa mag Rebecka, auch wenn sie Wert darauf legt, dass sie und Rebecka sich absolut nicht gleichen. Wäre das der Fall gewesen, vermutet Åsa, wäre es ihr wohl leichter gefallen, Rebecka zu beschreiben. So aber hat es insgesamt ein halbes Jahr gedauert, bis Åsa mit ihrer Hauptfigur zufrieden war. Åsa denkt übrigens, dass Rebecka sie nicht mögen würde, sondern sie zu offen und zu einfach im Umgang fände.

Über den christlichen Fundamentalismus in Sonnensturm

Eine Gruppe, die schließlich zu einer Sekte wird, ist faszinierend, findet Åsa Larsson. Was zieht die Menschen an? Warum erliegt ein Mensch der Verführung einer Sekte? Ist es das »Du-bist-etwas- Besonderes-und-Gott-hat-Großes-mit-dir-vor«? Åsa ist der Auffassung, dass ein Teil jener Menschen, die sich einer Sekte anschließen, keine starken Persönlichkeiten sind. Die Identität und psychologischen Grenzen des Einzelnen sind abhängig von einer Gruppe; das muss nicht zwangsläufig eine Sekte sein, sondern kann auch eine Armee oder eine politische Partei sein. Ihre Gemeinsamkeit ist eine streng hierarchische Organisation mit einem starken Anführer, der für sie spricht. Åsa fragt sich – nicht zuletzt in Sonnensturm – was wohl mit diesen Menschen passiert, wenn sie ihren Glauben in die Führungsperson verlieren.

Die Idee zu Weiße Nacht

Åsa Larsson hatte mehrere Geschichten oder vielmehr Figuren im Kopf, die sich dann einfach zu einer Handlung zusammengefügt haben. Zum Beispiel bei der Pastorin: Åsa ging eines schönen Abends in Jukkasjärvi spazieren und schlenderte zu der kleinen alten Holzkirche hinunter. Die Mücken summten, und sie sah die rot gestrichene Kirche in der Abendsonne leuchten und dachte nur: »Da drin hängt sie«. Sie wollte eigentlich nicht schon wieder über eine Leiche in einer Kirche schreiben, und schon gar nicht über Geistliche. Aber sie bekam das Bild nicht aus dem Kopf: »Ich musste mich regelrecht davon 'freischreiben'.«

Und dann lernte sie dieses wunderbare, geistig behinderte Kind kennen, mit der einzigartigen Gabe, jeden in seiner Umgebung glücklich und zufrieden zu machen. Daraus wurde im Buch Teddy. Geistig behinderte Kinder werden oft nur als Problem und Bürde gesehen. Åsa weiß natürlich auch, welche Belastung eine Behinderung für Eltern und Familien darstellt, aber sie ist sich ganz sicher, dass ein behindertes Kind auch ein besonderer Segen ist. Sie selbst hat die kurze Begegnung mit diesem Jungen zu einem anderen Menschen gemacht.

Alles in allem haben also all diese Figuren (und noch weitere) an ihre Türe geklopft, und Åsa meinte nur: »Ihr wollt Teil meiner Geschichte werden? Aber habt ihr auch jemanden umgebracht?« Und die Figuren antworteten: »Nein, aber wenn das Voraussetzung ist, dann tun wir das.«

Der schwarze Steg

Kurz nach Erscheinen von Weiße Nacht erhielt Åsa Larsson einen Anruf von ihrem Onkel, einem Pastor. Er sagte: »Wirklich, Åsa, es wird Zeit, dass du aufhörst mit dem Töten von Geistlichen.« In ihren nächsten Büchern, verspricht Åsa, kommen also keine ermordeten Priester mehr vor. Außerdem musste sie auch mehreren Leuten versprechen, dass das Töten von Hunden ein Ende hat – was sich als schwerer herausstellte als gedacht. In Der schwarze Steg hat sie die Thematik der Religion verlassen. »Aber ich finde, es ist der religiöseste Roman, den ich bisher geschrieben habe.« Es geht um eine Grubengesellschaft und führt bis nach Uganda.